Kommunikation und Sprache in Therapie und Alltag

"Die meisten Menschen hören nicht zu, um zu verstehen, sondern um zu antworten". (Autor unbekannt)

 

Die Sprache und die Art der Kommunikation ist sowohl der Quell unserer Verständigung als auch Quelle vieler Missverständnisse.

 

WAS sage ich WANN?

WIE formuliere ich? 

WANN höre ich WIE zu?

Und....muss ich jetzt erst Kommunikationswissenschaften studieren oder Psychotherapeut werden?

 

Nein!!!

 

Viele Menschen, die sich mit Sprache und Kommunikation in einem professionellen Setting auskennen, neigen dazu, ihre Sprache sehr "verkopft" oder "von oben herab" einzusetzen.

 

Stimmiger und in Praxis erprobt ist eine  a) "innere Haltung" verbunden mit dem b) Wissen um bestimmte "Regeln" der Kommunikation und einer c) Intuition für Stimmigkeit.

 

Stimmigkeit können wir hier nach Schulz von Thun als eine Kombination von Authentizität mit seinen Schwestertugenden Taktgefühl, Sensibilität und Diplomatie verstehen.

 

a) Die innere Haltung für wertschätzende Kommunikation:

 

- in Resonanz mit sich selbst und seinen Gefühlen sein

- in Resonanz mit dem Gegenüber sein

- wertschätzendes Zuhören

 

b) Regeln der Kommunikation:

 

1. "Jedes Wort wird zu direkter Physiologie" - d.h. Worte werden von unserem Gegenüber aufgenommen, verarbeitet und interpretiert und im Rahmen dieser Prozesse werden Botenstoffe, z.B. Hormone ausgeschüttet.

So kann ein Wort in "guter Absicht" oder unbeholfen aufgrund eigener Unsicherheit ausgedrückt zu einem "Nozebo Effekt" führen und u.a. Ängste induzieren oder verstärken. 

 

2. Patienten befinden sich oft in einer Situation, in der ihr Körper sich schon vor dem Arzt oder Therapeuten Besuch in einem Stresszustand befindet. In dieser "Extremsituation" werden Worte anders verarbeitet. Vereinfacht ausgedrückt schaltet sich das Großhirn in Stresssituationen aus und alte Hirnstrukturen übernehmen das Steuerrad.

 

3. Verneinungen und Verkleinerungen können vom Gehirn nicht adäquat verarbeitet werden, schon gar nicht in Stress Situationen. "Sie brauchen keine Angst haben" - Zack, das gestresste Gehirn schneidet nur Angst mit!!! - besser wäre z.B. "ich bin bei Ihnen, bleiben Sie ruhig"

"Das wird jetzt ein bisschen wehtun" - Das Gehirn schneidet wehtun mit!!! - besser: "wie fühlt sich das an? Sie entscheiden, wie fest ich drücke" 

 

4. negative Fokussierung der Aufmerksamkeit.

"Sie sehen aber gestresst aus?"

"Oh, ihre Beine sind aber ungleich lang.

"Der Wirbel fühlt sich aber gar nicht gut an."

"Da ist aber viel zu viel Spannung drin."

usw.

 

Was all diese Aussagen gemeinsam haben, sie bringen dem Patienten keinen Vorteil. Die Aussagen sind Interpretationen des Therapeuten und fußen auch noch meist auf Unwahrheiten.

In solchen Fällen wären die "drei Siebe nach Sokrates" angebracht:

1. Sieb: Ist es notwendig, dass ich diese Aussage treffe?

2. Sieb: Ist die Aussage wahr?

3. Sieb: Ist es stimmig, oder von Vorteil, wenn mein Gegenüber diese Aussage hört?

 

Kleine Veränderungen dieser Sätze oder Fragen, und schon würden sie durch die "Siebe" passen.

 

Beispiel:

Um dem Patienten die Erkenntnisse aus dem Anamnesegespräch, dass er sich gestresst fühlt, Rückenschmerzen hat, die an der Arbeit nach langem Sitzen schlimmer werden und wenn er kurzatmig wird, kann nach einem ausgeführten Beinlängentest in Rückenlage folgende Aussage sinnvoll sein, um die Bedeutung einer funktionellen Beinlängendifferenz zu verdeutlichen:

"IM MOMENT ERSCHEINT Ihr rechtes Bein kürzer. Das kann mit einem Muskel zusammenhängen, der häufig auf psycho-sozialen Stress mit einer Art Fluchtspannung reagiert. Wir kümmern uns jetzt um diesen Muskel und sie beschreiben mir, was sie spüren." 

 

Statt "ihre Beine sind ungleich lang" - formulieren wir "Im Moment erscheint....." wenn wir das Gefühl haben, eine Information zum Thema Beinlänge hat für diesen individuellen Patienten Bedeutung.

 

5. doppeldeutige, ironische und sarkastische Worte und vermeintliche "Lebensweisheiten" vermeiden.

 

Patienten oder auch Menschen im privaten Umfeld können in Stresssituationen häufig diese Ebenen nicht wahrnehmen und filtern. Die Unruhe, der Stress oder die Angst steigt.

 

"Das halten Sie schon aus. Nur die harten kommen in den Garten."

"Indianer kennt keinen Schmerz" 

"das schläfert sie jetzt ein"

"Ihre Zeit ist abgelaufen"

 

c) Intuition für Stimmigkeit

 

Hier kommt die Erfahrung ins Spiel, genauso aber auch die Selbstreflexion und die Fähigkeit, Stimmigkeit im Kontakt mit anderen Personen zu erkennen.

Die Intuition wird aus einem Gespür für die Stimmung im Raum zwischen den Gesprächspartnern, der Mimik, der Gestik, der Klang- und Stimmfarbe eine Voraussage treffen, wie in solchen Situationen wertschätzende und stimmige Kommunikation stattgefunden hat und diese Erfahrung mit der aktuellen Situation vergleichen und kleine Änderungen vornehmen - immer angepasst und in Resonanz mit sich selbst und dem Gegenüber.

 

Sicher ist es auch in Gesundheits- und therapeutischen Berufen sinnvoll, Fortbildungen und Seminare zum Thema Kommunikation und Sprache zu besuchen.

Mindestens genauso wichtig ist die tägliche Übung, das tägliche Feedback über ein gelungenes Miteinander.

 

Ich frage mich immer wieder: "Wie fühle ich mich gerade jetzt? Was fühle und denke ich jetzt?"

Und ich frage mein Gegenüber: "Was fühlst und denkst du jetzt?"

Und ich höre mehr zu......

 

 

Für die Ortho-Bionomy® Therapeuten wird es am Deutschen Institut für Ortho-Bionomy® Ende 2020 ein Seminar zum Thema "Sprache und Kommunikation in der Ortho-Bionomy®" geben. Informationen unter www.ortho-bionomy.de

 

 

Literatur:

Regina Heiland - Weil Worte wirken; Kohlhammer Verlag; 2018

Dr. Thomas Heller - Nocebo Effekt - Es kommt auf jedes Wort an, Klecks Verlag; 2015

Romina Schell - Das Herz im NLP - Kongruent und emphatisch coachen; Junfermann Verlag; 2015 

 

 

 

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